ESG-Daten in der Unternehmensfinanzierung: Wie Banken den Mittelstand heute bewerten 91 Prozent der Banken in der DACH-Region nutzen bereits ESG-Scorings oder planen deren Einsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre, so lautet das Ergebnis des ESG-Daten Monitors 2025 [1]. Gleichzeitig tun sich viele KMU enorm schwer damit, Nachhaltigkeitsindikatoren bereitzustellen. [3] Zwischen diesen beiden Zahlen liegt eine Lücke, und sie betrifft Kreditkonditionen, Finanzierungszugang und die Frage, wie das eigene Unternehmen von der Hausbank eingeschätzt wird. Die entscheidende Erkenntnis dabei ist: Die Lücke zwischen tatsächlicher Nachhaltigkeitsleistung und deren Wahrnehmung ist oft keine Leistungslücke, sondern eine Sichtbarkeitslücke.

ESG-Daten in der Unternehmensfinanzierung: Wie Banken den Mittelstand heute bewerten

91 Prozent der Banken in der DACH-Region nutzen bereits ESG-Scorings oder planen deren Einsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre, so lautet das Ergebnis des ESG-Daten Monitors 2025 [1]. Gleichzeitig tun sich viele KMU enorm schwer damit, Nachhaltigkeitsindikatoren bereitzustellen. [3] Zwischen diesen beiden Zahlen liegt eine Lücke, und sie betrifft Kreditkonditionen, Finanzierungszugang und die Frage, wie das eigene Unternehmen von der Hausbank eingeschätzt wird.
Die entscheidende Erkenntnis dabei ist: Die Lücke zwischen tatsächlicher Nachhaltigkeitsleistung und deren Wahrnehmung ist oft keine Leistungslücke, sondern eine Sichtbarkeitslücke.

Worum es in diesem Artikel geht

Mein Kollege Sebastian Dürr hat in seiner dreiteiligen Serie „Nachhaltigkeit 2026″ beschrieben, aus welchen Richtungen Nachhaltigkeitsanforderungen auf den Mittelstand zukommen: Finanzsektor, Kunden, Lieferketten, öffentliche Hand, Arbeitnehmermarkt. In unserem Blog-Artikel zum Sustainability Transformation Monitor 2026 haben wir den Gesamtzustand der Nachhaltigkeitstransformation eingeordnet: Konsolidierung, Marktdruck als Treiber, eine Umsetzungslücke zwischen Zielen und konkretem Handeln.

In diesem Artikel richten wir den Blick auf einen dieser Kanäle und schauen uns den Finanzsektor genauer an. Denn von allen fünf Perspektiven ist die Bewertung durch Banken diejenige, die am besten dokumentiert ist und die praktisch jeden Mittelständler betrifft, unabhängig von der Branche und Lieferkettenposition. 

Grundlage unseres Blog-Artikels ist der ESG-Daten Monitor 2025, eine Erhebung unter 165 Finanzinstituten in der DACH-Region, durchgeführt von openESG, PPA, CredaRate und der Frankfurt School of Finance & Management [1]. Ergänzend ziehen wir aktuelle Daten des KfW-Mittelstandspanels heran [2, 3].

91 Prozent der Banken in der DACH-Region nutzen bereits ESG-Scorings oder planen deren Einsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre, so lautet das Ergebnis des ESG-Daten Monitors 2025 [1]. Gleichzeitig tun sich viele KMU enorm schwer damit, Nachhaltigkeitsindikatoren bereitzustellen. [3] Zwischen diesen beiden Zahlen liegt eine Lücke, und sie betrifft Kreditkonditionen, Finanzierungszugang und die Frage, wie das eigene Unternehmen von der Hausbank eingeschätzt wird. Die entscheidende Erkenntnis dabei ist: Die Lücke zwischen tatsächlicher Nachhaltigkeitsleistung und deren Wahrnehmung ist oft keine Leistungslücke, sondern eine Sichtbarkeitslücke.

Die Ausgangslage: Wie Banken den Mittelstand heute bewerten

Die Daten aus dem ESG-Daten Monitor 2025 und dem KfW-Mittelstandspanel lassen sich in fünf Ergebnissen zusammenfassen, die gemeinsam ein klares Bild ergeben.

Bei KMU mit 50 und mehr Beschäftigten wurde Nachhaltigkeit im Jahr 2024 bereits bei 37 Prozent der Kreditverhandlungen thematisiert [2]. Im Verarbeitenden Gewerbe war fast jedes vierte KMU betroffen, im Handel stieg der Anteil von 8 auf 13 Prozent [2].

Die Bank Lending Survey der Bundesbank vom Juli 2025 zeigt zudem, dass Banken ihre Kreditrichtlinien für Unternehmen mit klimarelevanten Auswirkungen bereits verschärft haben, während sie die Bedingungen für Unternehmen mit positivem Nachhaltigkeitsprofil gelockert haben [2].

Gleichzeitig nutzen 63 Prozent der Banken bei der Kreditvergabe an nicht-berichtspflichtige KMU im Standardprozess Branchen- oder Durchschnittswerte [1]. Nur 13 Prozent fragen ESG-Daten direkt beim Unternehmen ab, lediglich 2 Prozent greifen auf berichtete Unternehmensdaten zurück [1]. Wer keine eigenen Daten einbringt, wird also auf Basis des Branchendurchschnitts bewertet, unabhängig von der tatsächlichen Situation des Unternehmens.

91 Prozent der Institute setzen bereits ESG-Scorings im KMU-Segment ein oder planen den Einsatz innerhalb von zwei Jahren. Bei rund 30 Prozent beeinflussen diese Scorings bereits heute die Kreditmarge. Bis etwa 2027 erwarten die befragten Banken, dass der ESG-Einfluss auf Kreditentscheidungen im KMU-Segment von durchschnittlich 23 auf 31 Prozent steigt [1].

Dabei sind nicht alle Datenpunkte gleich relevant. An erster Stelle stehen Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2), Energieverbrauch und Energiemix, gefolgt von Sektorzugehörigkeit, Transitionsplänen im Kontext von ESG-Risiken und Scope-3-Emissionen [1]. Soziale und Governance-Themen spielen bei der KMU-Bewertung bislang eine nachgelagerte Rolle [1].

Darin liegt auch eine Chance. Wer eigene, nachvollziehbare Daten liefert, kann sich vom Branchendurchschnitt differenzieren. 

In einem Umfeld, in dem die Mehrheit der KMU noch keine Daten veröffentlicht, reicht bereits ein begrenztes Set an belastbaren Kennzahlen, um sich vom Durchschnitt abzuheben. Jede eigene Zahl, die ein Unternehmen beisteuert, ersetzt den Branchendurchschnitt.

Warum Sichtbarkeit manchmal mehr zählt als Leistung

Bislang haben wir beschrieben, was Banken abfragen und wie sie bewerten. Aber die Daten aus dem ESG-Daten Monitor legen eine weiterreichende Beobachtung nahe, die über den Bankensektor hinausgeht.

In den ESG-Bewertungssystemen großer Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics, CDP, S&P Global CSA gilt ein Prinzip, das auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt: Nicht die absolute Nachhaltigkeitsleistung entscheidet über die Bewertung, sondern die Qualität der Offenlegung [4]. 

Ein Unternehmen, das seine Treibhausgasemissionen über mehrere Kategorien hinweg mit dokumentierter Methodik offenlegt und Vergleichswerte über mehrere Jahre liefert, schneidet in diesen Systemen besser ab als eines, das zwar niedrigere Emissionen hat, aber die Berechnungsgrundlage nicht transparent macht. Disclosure-Qualität schlägt Performance, und das nicht, weil die Leistung unwichtig wäre, sondern weil eine Leistung, die nicht nachvollziehbar dokumentiert ist, aus Sicht eines Bewertungssystems schlicht nicht existiert.

Dieses Prinzip gilt nicht nur für börsennotierte Konzerne. Die Zahlen aus dem ESG-Daten Monitor zeigen, dass sich die gleiche Logik im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand abzeichnet. Wenn 63 Prozent der Banken mangels Unternehmensdaten auf Branchendurchschnitte zurückgreifen, dann ist das nichts anderes als eine Bewertung ohne Disclosure, und sie fällt zwangsläufig durchschnittlich aus, unabhängig von der tatsächlichen Leistung des jeweiligen Unternehmens. 

Wer eigene belastbare Daten in den Prozess einbringt, belegt seine Leistung und macht sie sichtbar, während andere Unternehmen nach dem bewertet werden, was die Bank über die Branche weiß.

Daraus ergeben sich drei Ansatzpunkte, die für den Mittelstand relevant sind.

1. Methodik vor Ergebnis. Banken fragen nicht nur nach einer Zahl, sondern nach der Nachvollziehbarkeit dieser Zahl. Wie wurden die Treibhausgasemissionen berechnet? Welche Scope-Kategorien sind abgedeckt? Auf welcher Datengrundlage basiert der Energieverbrauch: auf Schätzungen, auf Verbrauchsabrechnungen, auf einem Energieaudit?
Ein Unternehmen, das seine Berechnungsmethode dokumentiert, signalisiert damit ein Maß an Ernsthaftigkeit, das über die reine Zahl hinausgeht. [1].

2. Standardisierung als Glaubwürdigkeitssignal. Im Bereich der großen ESG-Ratings erfüllt eine externe Prüfung (Third-Party Assurance) die Funktion eines Glaubwürdigkeitsnachweises. Für den Mittelstand ist das in der Regel nicht praktikabel und auch nicht erforderlich. 
Das Äquivalent liegt in der Nutzung eines anerkannten Berichtsrahmens. Ein Nachhaltigkeitsbericht nach dem freiwilligen VSME-Standard signalisiert, dass die Daten nach einem definierten Schema erhoben wurden, nicht ad hoc zusammengestellt und alle ESG-Dimensionen abdecken. Der ESG-Daten Monitor zeigt, dass VSME von mehreren befragten Banken explizit als hilfreicher Referenzrahmen genannt wird [1]. Und auch die 75 Prozent der Unternehmen, die laut Sustainability Transformation Monitor 2026 auch ohne CSRD-Pflicht weiterhin berichten, folgen dieser Logik: Ein standardisierter Bericht beantwortet viele Stakeholder-Anfragen auf einmal.

3. Ziele brauchen einen Fahrplan. Dass Transitionspläne auf der Relevanzliste der Banken auf Platz vier stehen, ist bemerkenswert [1]. Banken fragen nicht nur, wo ein Unternehmen heute steht, sondern auch, wohin es sich entwickeln will und ob es einen konkreten Plan gibt, um diese Ziele zu erreichen.

Ein Klimaziel ohne Maßnahmenplan ist aus Bewertungssicht wenig wert. Die Daten des Sustainability Transformation Monitors bestätigen das: Nur 15 Prozent aller befragten Unternehmen erheben Daten, haben ein Klimaziel, verfügen über einen Transitionsplan und sind gleichzeitig bei der Zielerreichung auf Kurs. Für den Mittelstand bedeutet das: Bereits ein skizzierter Verbesserungspfad mit konkreten Zwischenschritten und Verantwortlichkeiten kann zu einem messbaren Unterschied in der Bewertung führen.

Diese drei Prinzipien verändern die Perspektive auf die Datenlücke im Mittelstand. 

Es geht nicht darum, möglichst viele Daten zu liefern, sondern die relevanten Daten nachvollziehbar zu dokumentieren, in einem anerkannten Berichtsrahmen bereitzustellen und mit einem erkennbaren Verbesserungspfad zu verbinden. 

Wie gut ist der Mittelstand auf diese Abfragen vorbereitet?

Der verfügbaren Datenlage nach bislang nur in Ansätzen. Das ist kein Ausdruck mangelnden Engagements, sondern spiegelt wider, dass vielen Unternehmen schlicht die Orientierung fehlt, welche Daten in welchem Format erwartet werden. Weniger als die Hälfte der KMU (48 Prozent) gibt an, perspektivisch mindestens einen Nachhaltigkeitsindikator in strukturierter Form bereitstellen zu können. Nur 10 Prozent sehen sich in der Lage, alle gängigen Indikatoren abzudecken. Und 45 Prozent der KMU können derzeit nicht einschätzen, wie sich die Relevanz des Themas bei zukünftigen Kreditgesprächen entwickeln wird [3]. 

Diese Zahlen stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zu den Zahlen auf Bankenseite: 91 Prozent setzen auf ESG-Scorings, 30 Prozent lassen diese bereits in die Kreditmarge einfließen, und die Tendenz ist in allen drei Bankensäulen steigend. Der Mittelstand und seine Banken bewegen sich also in unterschiedlicher Geschwindigkeit auf dasselbe Thema zu.

Welche Auswirkungen das auf den Mittelstand haben kann

Was folgt aus diesen Zahlen? Das hängt von der konkreten Situation ab: von der Branche, der Hausbank, der Kundenstruktur und der eigenen Wertschöpfungstiefe. Vier Beobachtungen lassen sich dennoch verallgemeinern.

Die Bewertung findet bereits statt, und sie bevorzugt Sichtbarkeit. 63 Prozent der Banken bewerten KMU im Standardprozess auf Basis von Branchendurchschnitten. Wer eigene, nachvollziehbar dokumentierte Daten liefert, hat die Möglichkeit, sich vom Durchschnitt abzuheben. Die Lücke zwischen Leistung und Wahrnehmung ist oft keine Leistungslücke, sondern eine Sichtbarkeitslücke und sie lässt sich schließen, ohne das Geschäftsmodell zu verändern.

Die Prioritäten sind überschaubar. Banken bewerten bei KMU vor allem Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Sektorzugehörigkeit und Transitionspläne. Dabei zählt nicht nur die Zahl, sondern auch die Methodik dahinter und die Frage, ob ein erkennbarer Verbesserungspfad existiert. Ein fokussiertes Set an Basisdaten, etwa im Rahmen des VSME-Standards, kann bereits ausreichen, um diese Anforderungen zu erfüllen.

Weniger Berichtspflichten bedeuten nicht weniger Datenabfragen. Das Omnibus-Paket entlastet Unternehmen bei der formalen Berichterstattung. An den ESG-Datenanforderungen der Banken ändert es wenig. Wo weniger Daten aus der Berichterstattung fließen, müssen Banken diese selbst erheben oder auf Schätzwerte zurückgreifen. Für Unternehmen, die eigene Daten vorhalten, kann so ein Differenzierungsvorteil entstehen.

Die Datenlücke ist eine strategische Chance. Wer diese Lücke schließt, und sei es mit einem begrenzten Set an Basisdaten, einer dokumentierten Methodik und einem skizzierten Verbesserungspfad, gehört zu denen, die vorbereitet sind. In einem Umfeld, in dem die Mehrheit noch nicht so weit ist, kann das einen Unterschied machen.

Zwei Fragen zum Schluss

Wir formulieren keine Handlungsanweisungen, sondern zwei Denkanstöße, die sich mittelständische Unternehmen stellen können:

  • Wenn Ihre Bank Sie bei der nächsten Kreditverlängerung nach Ihren Treibhausgasemissionen oder Ihrem Energieverbrauch fragt: Haben Sie Zahlen, die Sie vorlegen können? Und kennen Sie die Methodik, mit der diese Zahlen zustande gekommen sind?
  • Wenn Ihre Bank Sie nicht fragt, aber trotzdem ein ESG-Scoring erstellt: Wissen Sie, auf welcher Datengrundlage Ihr Unternehmen bewertet wird?

Quellen

[1] openESG, PPA, CredaRate, Frankfurt School of Finance & Management, „ESG-Daten Monitor 2025: Auswirkungen von ESG-Scorings und Omnibus auf die Kreditvergabepraxis von Banken“, November 2025. 

[2] KfW Research, „Nachhaltigkeit gewinnt bei Kreditverhandlungen großer KMU an Bedeutung“, Fokus Volkswirtschaft Nr. 528, Januar 2026. 

[3] KfW Research, „Bisher nur wenige KMU auf die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsdaten vorbereitet“, Fokus Volkswirtschaft Nr. 478, Dezember 2024. 

[4] OneStop ESG, „5 Moves That Fix Your ESG Score“, April 2026. 

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